WUNSCH 240

Liechtenstein hat historisch keine auffällige Architektur und wurde im Krieg nicht von Zerstörung betroffen. Es hat durch Vertrauen in die Struktur viel fremdes Kapital erhalten. Die junge Generation unterschätzt das grosse Kapital, welches im Verzicht liegt, das Improvisieren mit bescheidenen Mitteln. Auch in der Kunst hat sich das übersetzt, man war in der Lage, mit bescheidenen Mitteln zu arbeiten. Heute stimmt die Repräsentation nicht. Es werden z.B. Skulpturen im öffentlichen Raum versetzt, so der Rheinberger Ring, ohne dass es nun einen tieferen Sinn machen könnte. Das Doppelportrait der Fürsten steht grausam und leider würde die Möglichkeit, die Bürger von Calais von Rodin auf dem Platz vor der Regierung aufzustellen, vom Landtag abgelehnt. Die Vordenker in Liechtenstein waren tüchtig in ihrem Feld, aber nicht immer kompetent, wenn es z.B. um Gestaltung von öffentlichem Raum ging.

Leider wird die Kunst, gerade die geschichtliche, aus Liechtenstein unterschätzt. Wir haben einen Spreizschritt zu leisten zwischen der lokalen Kultur, die aus dem eher armen, bäuerlichen, kleinen Kontext kam und der internationalen Kunstwelt, an die wir uns nun geistig und wirtschaftlich anzuschliessen versuchen. Gelingt es nicht die lokale Population dabei mitzunehmen, verliert man wertvolle Kulturkraft.

Die Auseinandersetzung mit Kunst, überhaupt mit allem, war im Volk sehr intensiv bis in die 1970er Jahre. Es war eine gelebte Kultur mit Herz und Faszination.

Denn es gilt ja, dass der Geist der Zeit arbeiten muss und manchmal wachsen wir wohl zu langsam mit. Wir sind nicht mit den gegebenen Anforderungen nachgereift in der neuen Beziehung zwischen uns und unserem öffentlichen Raum, unserer Architektur. Sammler und Sammlerinnen von Kunst sind hier gute Brücken zwischen Werk und lokalen Menschen.

Das Kunstmuseum Liechtenstein spielt eine wichtige Rolle. Ich wünsche mir, dass es die Brücke macht zwischen lokal und international, alt und neu und unter anderem dadurch, dass lokale Künstlerinnen und Künstler in die Sammlung aufgenommen werden. Es sollte auch Geschichtliches der Region repräsentieren in einem permanent diesem Thema gewidmeten Raum. Es sollte auch Verantwortung für die lokale Kunst übernehmen. Die Geschichte dieser Kunst gehört dokumentiert und damit muss man arbeiten. Damit holt man die Leute ab, sonst läuft man Gefahr, dass diese zu Gegnern werden. Auch sollten die Kuratoren als Fachkräfte diese Kraft der Kultur und Kunst nach aussen mittragen. Da unsere Zeitungen schon lange politische Werbeträger sind, wird die Geschichte nicht wirklich übertragen ins Schriftliche bisher. Darin liegt eine grosse Aufgabe.

Ich hoffe auf eine neue Generation, die in Freiheit das Lokale und das Internationale auf unserem Boden verbinden kann und den Spagat gut hinbekommt.

2017-05-23T12:09:03+00:00