VADUZ, 25. APRIL

Am Sonntag hatten wir zu einem Brunch ins Museum eingeladen, mit dem Thema des guten Lebens, basierend auf dem Buch „Das Konvivialistische Manifest – Für eine neue Kunst des Zusammenlebens“. Mit ca. 15 Menschen ging es darum, in kleine Gruppen über die gefühlten Qualitäten zu sprechen, die uns ein Empfinden geben, dass wir Teil einer Weltengemeinschaft sind, was uns nährt, was uns aufregt, was wir tun, wie wir damit umgehen. Mit „wir“ meinten wir einen Austausch der Individuen mit anderen.

Von einer Freundin kommt eine interessante Resonanz auf die Themen „Visionieren als Kritik“, „ Basisbedürfnissen“ und „Gemeinschaftssinn“:

Das ist allerdings sehr interessant, dass du schreibst, dass das Visionieren als Kritik (manchmal) empfunden wird. Wir sind das ja gewohnt, von den moralischen (religiösen) Idealismus, dass es ein ständiges „Die Welt und der Mensch ist nicht gut genug“ ist. In diesem Narrativ hat es irgendwann Frieden gegeben, dann gab es einen Bruch, der quasi der Ausstoß aus dem Paradies war und ab da ist die Welt verkommen. So streben wir in dieser Geschichte nach der Rückkehr ins Paradies, der Wiederkehr des Messias und der endgültigen Gerechtigkeit. Da dieser Moment, das Ideal, nie eintritt und immer im Jetzt ist und das Jetzt nicht gut genug ist, ist es ein ziemlich unzuFRIEDENes Jetzt.

Du schreibst von den Basisbedürfnissen, ich vermute, du beziehst dich auf Abraham Maslows Bedürfnispyramide? Wusstest du, dass Abraham Maslow gegen Ende seines Lebens erst „gestanden hat“, das er die Idee der Grundbedürfnisse aus dem Chakrensystem abgeschaut hat und aus einem System, in dem alle Elemente eine gleichwichtige Rolle spielen, eine Hierarchie gemacht hat, mit wichtigeren und weniger wichtigen Bedürfnissen? Gegen Ende seiner Forschungen kam er immer mehr zum systemischen Gedanken zurück – sodass die sozialen Bedürfnisse (Anerkennung, Liebe, Konvivialismus) und die spirituellen Bedürfnisse (Schönheit, Transzendenz, die allumfassende Kraft des Lebens, Sinn…) für ihn wieder als genauso wichtig erkennbar wurden wie die Sicherheit, Futter…

Was ich damit sagen will ist eigentlich: Ich glaube ich kann das irgendwie verstehen, dass die Leute das Visionieren zu leicht mit einer UnZUFRIEDENheit verwechseln.

Falls es auch um die Identifikation mit Fürst, Vaterland und Religion geht: Man könnte das auch als einen Gemeinschaftssinn betrachten, der eben mit einer bestimmten Strategie befriedigt wird (exklusive Identität), die aber der Gemeinschaft nicht immer zuträglich ist…. Fragen stellen, die auf den Zugrunde liegenden universelleren Gemeinschaftssinn hinzielen? Dort die visionäre Kraft anstoßen und vielleicht nicht einmal in die Form überführen, sondern diesen Prozess dann wirken lassen? Die spirituellen Bedürfnisse anregen im Erleben von der Schönheit und Harmonie im Jetzt.

 

SB

2017-05-15T14:47:07+00:00