TRIESEN/VADUZ, 28. MÄRZ

Ich hatte mir einen Termin geben lassen beim Amt für Kultur Liechtensteinisches Landesarchiv, um mir den Dokumentarfilm „Die andere Hälfte“ von 2003 von Isolde Marxer anzuschauen. Es geht dort um die Geschichte des Frauenwahlrechts und der Frage der Gleichberechtigung in Liechtenstein. Ein Thema, von dem ich immer wieder höre. Es gibt in den Interviews bemerkenswerte Sätze:
„Da hat sich natürlich wieder manifestiert, wo die Macht im Staat ist, und dass das Recht nur dann und nur so gilt, wie die Mächtigen es interpretieren. Dieses Ausgeliefertsein einer bestimmten Macht, war das ganz Schlimme.“
„Man hat gemerkt, es ist so wie in einer Familie, es darf nichts nach aussen gehen. Das ist Privatsache. So war das auch die Privatsache Liechtenstein.“
„Wir sind ein katholisches und monarchisches Land. Weder in der Kirche noch in der Monarchie sind Frauen vorgesehen.“
Originalton von Interview mit Schülern: „ Wahrscheinlich wollen sie dann auch das Beste für die Frauen und die Männer haben es nicht mehr so schön wie jetzt.“

 

In Triesen kommt in einem Gespräch die Frage auf, ob Wünschen an und für sich eine inhärente Kritik am Bestehenden bedeutet, ob Utopien per se eine Kritik am Bestehenden sind. Wünsche als Kritik verstanden? Neurologen haben erforscht, dass Zukunftsvisionen notwendig sind, um die emotionale Kraft aufzuwenden, im Jetzt und Hier diese Visionen umzusetzen. D.h., wenn man sich nicht traut zu imaginieren, kann auch kein Bild oder Weg für die Zukunft entstehen.

SB

2017-04-27T16:33:31+00:00