Triesen, 30.4.

Immer wieder höre ich so unglaublich interessante Geschichten darüber, wer sich in Liechtenstein der 1930er und 1940er alles angesiedelt hat, wie es biographisch dazu kam, dass sich hier Barone und Adel aus aller Welt eine Staatsbürgerschaft kauften, dass ungeheuer luxuriöse Villen entstanden und auch dubiose Persönlichkeiten hier unterkamen. Und das in einer Zeit, als um Liechtenstein herum alles im Umbruch war, das Land selber aber scheinbar völlig unberührt davon in seinem lokalen täglichen Sein alles in sich aufnahm. Neben diesen glamourösen Erscheinungen kann man vielleicht sagen, es ging darum, ein Stück Sicherheit und Geborgenheit irgendwo in Europa zu finden, dass als neue Heimat dienen konnte für all diejenigen, die ihren Platz verloren hatten. Ich las dazu im Netz: „Für Zickert waren 1931 zwei Gründe ausschlaggebend für seinen Domizilwechsel von Deutschland nach Liechtenstein. Diese erläuterte er im September 1931 in der neunten Nummer seiner Zeitschrift Wachet auf! Aktuelle Wirtschaftskorrespondenz folgendermaßen: »Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Zustände in Deutschland erfordern ein starkes Maß von Kritik, einer Kritik an allen Stellen, die für die bisherige Leitung der öffentlichen und privaten Organisationen verantwortlich sind… Zweitens liegt ganz Deutschland unter einem schweren psychologischen Druck, dem sich kaum jemand entziehen kann, der aber dazu führen kann, dass die Gegenwart oder die Zukunft falsch gesehen wird. Wer ein wirklich freies, objektives Urteil erhalten will, muss sich deshalb dieser ganzen Atmosphäre entziehen und einen freieren, weiteren Blick gewinnen, die Meinungen des Auslandes auf sich wirken lassen.« http://www.sommerlad.li/projekte/zickert-haus/

2017-06-04T22:09:40+00:00