SCHAAN, 26. APRIL

Ich lese im Jahrbuch 2015 des Literaturhaus Liechtenstein, Thema „Prekär: Stimmen aus dem Tiefparterre“. Das passt zu meiner Woche in Schaan, die diverser nicht sein könnte an Orten und Menschen, denen ich zuhören darf. Wie noch nirgendwo anders verstehe ich hier das Wort „working poor“:

„Die Politiker in Liechtenstein stehen an den Seitenlinien, wollen die Entwicklung weiter beobachten, wenn Firmen auf breiter Basis Löhne reduzieren und nur noch in Euro auszahlen. Die Arbeiter fühlen sich so nicht geschützt. Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen, war bei der Landtagseröffnung zu vernehmen. Alle? Bisher trifft es die weniger Verdienenden und weniger Vermögenden. Die Reichen wurden schon vor Jahren beschenkt, indem Kapitalgewinne, Dividende, Erbschaften (…) nicht besteuert werden.“ Kranz, W. ( 9.11.2015). Eine Lobby für die weniger Privilegierten. Teil 1. Liechtensteiner Vaterland.

„Prekarität hat bei dem, der sie erleidet, tief greifende Auswirkungen. Indem sie die Zukunft überhaupt im Ungewissen lässt, verwehrt sie den Betroffenen gleichzeitig jede rationale Vorwegnahme der Zukunft vor allem jenes Mindestmaß an Hoffnung und Glauben an die Zukunft, das für einen vor allem kollektive Auflehnung gegen eine noch so unerträgliche Gegenwart notwendig ist.“ Bourdieu, P. (2004). Gegenfeuer (Edition discours, Bd.37). Konstanz: UVK-Verl.-Ges., Seite 1.

„Arbeitslose und Arbeitnehmer, die sich in einer prekären Lage befinden, lassen sich kaum mobilisieren, da sie in ihrer Fähigkeit, Zukunftsprojekte zu entwerfen, beeinträchtigt sind.“ Bourdieu, P. (2004). Gegenfeuer (Edition discours, Bd.37). Konstanz: UVK-Verl.-Ges., Seite 2.

SB

2017-05-16T15:31:04+00:00