Blogbeiträge Ausstellung 2017-03-31T18:51:28+00:00

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WORKSHOP MIT ARAWANA HAYASHI

Vom 13. bis 15. März fand im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz und dem Bildungshaus Arbogast in Götzis der Workshop „The Social Body and Societal Field Shifts“ mit Arawana Hayashi als eine Kooperation des Kunstmuseums, des Bildungshaus Arbogst und des plano alto Instituts statt.

Das Seminar war ein Zusammenspiel in mehrfacher Hinsicht:

  • zwischen drei Institutionen aus drei verschiedenen Ländern – dem Kunstmuseum Liechtenstein, dem Dialogprojekt Arbogast und plano alto,
  • zwischen Arawana Hayashi, Christiane Meyer-Stoll, Christian Hörl und Andrea Zuffellato als GastgeberInnen,
  • zwischen den GastgeberInnen und den TeilnehmerInnen aus allen Ländern rund um den Bodensee und darüber hinaus,
  • zwischen Kunst, Dialog und der Natur,
  • zwischen den Orten Kunstmuseum Liechtenstein und dem Bildungshaus Arbogast unter Einbezug der Umgebung,
  • zwischen den Themenfeldern Aufmerksamkeit, Angst und Vertrauen,
  • zwischen ökologischem, sozialem und physischem Körper.

Christian Hörl

Bei mir hat das Seminar auch noch länger nachgeschwungen.
Auf eine sehr angenehme und positive Weise. Ich bin durch diese Tage noch deutlich stärker in SPT eingestiegen und hab das erste Mal konkrete Anwendungen überlegt/gefunden für die Arbeit draußen in den Gemeinden. Ich hab besonders wertvoll empfunden, mit so vielen verschiedenen Menschen und Erfahrungen und Einstiegslevels und Nationen in Kontakt zu kommen. Und hab das diesmal auch noch mehr gesucht als sonst immer wieder.
Ich hab Euer Zusammenwirken (der drei Veranstalter und der Orte) als sehr unkompliziert, befruchtend, im flow empfunden.
Als Mensch mit nur punktuellem Bezug zur bildenden, „musealen“ Kunst hab ich einen sehr tiefgehenden, berührenden und stärkenden Kontakt zu diesen Kunstformen und einigen Stücken im Museum gefunden. Hat mich sehr bewegt…

Rainer Krismer – Teilnehmer

Die Arbeit von Arawana Hayashi bietet eine Wahrnehmungsschulung die in unserer Gesellschaft besonders wertvoll ist, denn sie verbindet die Achtsamkeit für die eigene Befindlichkeit mit einem bewussten Gefühl für die Gemeinschaft. Dieses Wahrnehmen des „sozialen Körpers“, der Gruppe in der man sich bewegt, dem Team in dem man arbeitet oder gar der Gesellschaft in der man lebt, fördert einen respektvollen und achtsamen Umgang. Wenn es gelingt, Impulse aus diesen sozialen Feldern wahrzunehmen und daraus sein eigenes Handeln inspirieren zu lassen, tragen die eigenen Beiträge zu einer lebenswerten Kultur des Miteinanders bei.

Andrea Zufellato – plano alto ZUM BEITRAG VON RADIO PROTON

WERKE – HOMO PAUPER

Thomas Lehnerer
* 1955 in München, Deutschland † 1995 in München, Deutschland

Ohne Titel (Homo pauper), 1993
Bronze 29 × 9,4 × 6,3 cm
Sammlung Hirschfeld, Appenzell

Zum Auftakt begrüsst den Besucher der Ausstellung Who Pays? linkerhand eine kleine, idolhafte Bronzeskulptur: ein Homo pauper von Thomas Lehnerer. In der Figur mit eng anliegenden Armen ist die Gestaltung aus der Hand unmittelbar auszumachen. Der Kopf, der sich schwungvoll aus dem Körper heraus in die Höhe richtet, scheint in eine unbestimmbare Ferne zu sehen. Zugleich wirkt er in sich gekehrt und glückselig.

Substantiell für Lehnerers Auffassung vom Menschen ist der Begriff der Armut. Anknüpfend an Traditionen der Weltreligionen beruht sein Verständnis hier­
bei auf einer Haltung der Demut, die Ausgangspunkt für Freiheit und Glück ist. So zeichnet den Homo sapiens in seinem Verständnis nicht der in allen Lebensbeziehungen den Nützlichkeitswert voranstellende Homo oeconomicus aus oder der seinem Machen und seiner Macht verfallene Homo Faber, sondern vielmehr der Homo pauper.

„Ich glaube tatsächlich, dass ich da einen Begriff aufgedeckt, nicht entdeckt, sondern aufgedeckt habe, der in der Neuzeit, oder zumindest in der Moderne, zugedeckt und nur mit einer einzigen, einer ökonomischen Kategorie besetzt wurde. Der Begriff der Armut war im Mittelalter die zentrale ethisch-theologische Kategorie überhaupt, die selbstgewählte Armut die Tugend schlechthin. Bei Meister Eckehart, um 1300, findet man ein Lehrstück über die Armut […]: die wahre Armut bestehe darin, nicht zu wollen, nicht zu wissen und nicht zu haben. Und das heisst im Grunde: so zu sein, wie man vor der Geburt war, ohne jede Intentionalität. Oder in einem theologischen Sprachgebrauch: eins zu sein mit Gott. Ich erwähne das, weil dort eine tiefe mystische Einsicht entwickelt wurde, die auch Krishnamurti zur Sprache bringt und über die viele Menschen heute nachzudenken beginnen. Eine meiner Intentionen besteht darin, diesen Begriff der Armut, der in unserer kapitalistisch-modernen Welt wie getilgt zu sein scheint, erneut ins Bewusstsein zu rücken.“
Thomas Lehnerer

Text: Christiane Meyer-Stoll
Abbildung: © 2017, ProLitteris, Zürich

WEITERDENKEN, WEITERFRAGEN

Aus der Betrachtung  der Arbeit “Who Pays?” entwickelte sich bei der Einführung für Lehrpersonen ein grosses gedankliches Feld und daraus weitere Fragen:

Was bekomme ich?

Wer ist ehrlich?

Wer hat die Wahl?

Kann mit Geld alles bezahlt werden?

Wer zahlt drauf?

Zahl ich genug? Zu wenig?

Wo liegt die Wahrheit?

Wer macht den Preis?

Muss man zahlen?

Wie sieht ein “richtiger” Weg aus?

Welchen Preis möchte ich zahlen?

Gibt es für manche Länder überhaupt eine Chance aufzusteigen?

Wie werden “Werte” verändert?

Ist Verzicht = weniger haben?

Wer verliert?

Ist es dekadent?

Wer legt die Grenzen fest?

Wer ist reich?

Who decides who pays?

Ist denn der Preis hoch?

Werden arme Leute immer ärmer?

Wie lange werden unsere Kinder arbeiten müssen?

Wie gehen wir mit der Erde um?

Wo fehlt die Moral?

Auf was vertrauen wir?

Wie könnte die Welt aussehen, wenn niemand bezahlen würde sondern nur teilen?

Können wir durch Verzicht zum wahren Reichtum gelangen?

CJ

VERNISSAGE

Am 9. Februar wurde mit der Vernissage von „Who Pays?“ im Kunstmuseum der Startschuss für eine umfangreiche Ausstellung mit vielen lokalen Kooperationen gegeben. Wir haben uns gefreut, über 200 Besucherinnen und Besucher zur Eröffnung begrüssen zu können und zu sehen, wie sich schon am ersten Abend das Veranstaltungsangebot an der Kalenderwand im Seitenlichtsaal mit Angeboten gefüllt hat!

AUSSTELLUNGSAUFBAU MIT CHRISTOF SALZMANN

Einige Impressionen vom Ausstellungsaufbau mit dem Künstler Christof Salzmann, der mit dem artsprogram der Zeppelin Universität eine Rauminstallation entwickelt hat, die sich unter anderem mit dem Kapitalbegriff bei Joseph Beuys beschäftigt.

Fotos: Christiane Meyer-Stoll

GEMEINSAME PRESSEKONFERENZ ALLER KOOPERATIONSPARTNER

Heute fand die erste Pressekonferenz zur Ausstellung Who Pays? im Kunstmuseum statt. Anwesend die zahlreichen Kooperationspartner, die zum breiten Programm rund um die Ausstellung beitragen. Eine Übersicht über die beteiligten Institutionen findet sich hier.