Archiv für Soziale Plastik 2017-03-01T17:40:34+00:00

ARCHIV FÜR SOZIALE PLASTIK

Installation von Christof Salzmann & die Sammlung Rainer Rappmann

Eine Kooperation mit dem artsprogram der Zeppelin Universität, Friedrichshafen

Anfang der 1970er-Jahre fand sich in Achberg im Allgäu eine Gruppe von Sozialwissenschaftlern, politischen Aktivisten, Lehrern, Designern und Künstlern zusammen, die unter dem Begriff „Der Dritte Weg“ nach alternativen Gesellschaftsmodellen suchten. Hier wurden bis heute wirksame gesellschaftliche Impulse entwickelt. Jene Zusammenkünfte zeigten grossen Einfluss auf Joseph Beuys’ Erarbeitung des Konzepts des erweiterten Kunstbegriffs.

Das Archiv für soziale Plastik besteht aus zahlreichen, vom Verleger Rainer Rappmann gesammelten Super-8-Filmen, Tonbandaufnahmen, hunderten von Korrespondenzen, signierten Postkarten, Büchern, Plakaten und Editionen. Es dokumentiert jene politische Aufbruchsstimmung der 1970er- und 1980er-Jahre, die im Umfeld der „Free International University“ bzw. der gesellschaftlich-sozialen Tätigkeit von Beuys entstand.

Im Fokus der Archivpräsentation steht die Analyse des Geld-, Kapital- und Wirtschaftsbegriffs von Beuys. In seinen zahlreichen Werken und Stellungnahmen spielen klassische Wirtschaftstheorien eine untergeordnete Rolle; vielmehr verstand Beuys das kreative Gestaltungspotential eines jeden Menschen als Grundlage für eine gerechte sowie nachhaltige Wirtschaftsgestaltung. Um seine alternativen Ideen gegenüber gängigen Theorien und Diskursen zu öffnen, entwickelte er stetig neue Begriffsfelder und Denkfiguren, die an vielen Stellen Eingang in das Archiv gefunden haben.

Diese zahlreichen Dokumente präsentiert das mehrjährige Projekt des artsprogram der Zeppelin Universität (kuratiert von Ulrike Shepherd und Karen van den Berg) in einer Aufarbeitung durch den Künstler Christof Salzmann, der mit einer Archivstruktur zur aktiven Nutzung einlädt. Das Projekt wurde in drei Phasen realisiert: Der erste und zweite Teil des Projekts fand an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen statt. Er bestand aus der Sichtung des Materials sowie dem Aufbau eines in den universitären Alltag eingebetteten Displays, dem immer weitere Elemente hinzugefügt wurden. Begleitet wurde das Projekt von studentischen Positionen, wie den ebenfalls im Rahmen der Ausstellung Who Pays? gezeigten Little Pieces. Für den hier präsentierten dritten Teil überlappen und überlagern sich auf den Tafeln im Ausstellungsraum die aktuelle Archivsituation und historische Kommentare, wodurch die unterschiedlichen Zeitschichten des Materials deutlich werden. So tauchen beispielsweise immer wieder Publikationen, Dokumente und Artefakte aus der Archivbibliothek in den aktuellen Fotografien auf. Sie bilden den aktuellen Arbeitsprozess ab und verweisen mit den Zitaten auf unterschiedliche Zeitdimensionen in der Sammlung.